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Das Flächennaturdenkmal „Vordere Ulbrichtschlucht“ in Flöha

Eine naturwissenschaftliche Betrachtung von Helmut Kroh

Teilansicht der Ulbrichtschlucht in Flöha. Foto: H. Kroh

Die im wahrsten Sinne des Wortes geologisch aufschlussreiche Vordere Ulbrichtschlucht ist ein in südliche Richtung bis zur Chemnitzer Straße (B 173) verlaufendes, schmales Tal am Nordhang des Flöhaer Beckens.
Das Flöhaer Becken ist durch die teilweise fossilführenden, oberkarbonischen Ablagerungen mit eingelagerten Steinkohleflözchen bekannt.
Zwischen 1800 und 1881 wurden die 0,05 m bis 0,45 m starken Kohleflöze in mehreren klei-nen Kohlengruben abgebaut.

Eine bis 50 Meter mächtige, zwischengelagerte Quarzporphyrdecke teilt die Flöhaer Schichten in die vorporphyrische oder untere und in die nachporphyrische oder obere Stufe.
Der in mehreren auflässigen Steinbrüchen sichtbare Quarzporphyr (neuere Bezeichnung Paläo-rhyolith) ist in mehreren auflässigen Steinbrüchen sichtbar.
Der in der älteren Literatur als Deckenerguss beschriebene Quarzporphyr ist nach neueren Erkenntnissen ein Quarzporphyr-Ignimbrit (Prescher 1987). Ignimbrite sind die Produkte miteinander verschweißter Tuffe, die als teigig-plastische Lavafetzen von dichten Glutwolken beim Vulkanausbruch kilometerweit transportiert, abgelagert und in halbflüssigem Zustand durch ihr eigenes Gewicht verdichtet worden sind (Jubelt, Schreiter 1984). In der jüngeren Literatur bezeichnet man diesen Quarzporphyr als Paläorhyolith (Löcse 2013).

Die obere Stufe ist 20 m bis 60 m mächtig. Ihre Ablagerungen, bestehend aus zum Teil fossil-führenden Sandsteinen und Schiefertonen, sind auf zahlreichen kleinen Halden des historischen Steinkohlenbergbaues zu finden.
Heftige Vulkanausbrüche im Rotliegenden (Perm) führten zur Bildung einer Quarzporphyrtuff-decke, deren Reste heute stellenweise noch 50 m mächtig sind. Der verschiedenfarbige Quarz-porphyrtuff (neuere Bezeichnung Rhyolithtuff) war in mehreren alten Steinbrüchen aufgeschlossen.
Die Ablagerungen der unteren Stufe erreichen eine Mächtigkeit von etwa 100 m.
Sie setzen sich aus Konglomeraten, Sandsteinen und Schiefertonen zusammen. Die Grenzen des Beckens bestehen aus Glimmmerschiefern, Phylliten und Gneis. Während vom Liegenden des Beckens keine Aufschlüsse zu finden sind, sind die Ablagerungen der unteren Stufe teilweise in einem auflässigen Sandsteinbruch an der Finkenmühle und in der Vorderen Ulbrichtschlucht aufgeschlossen.
Da sich der Sandsteinbruch an der Finkenmühle in Privatbesitz befindet und völlig umbaut wurde, ist die Vordere Ulbrichtschlucht der einzige zugängliche Aufschluss der unteren Stufe.

Der Bachlauf in der Vorderen Ulbrichtschlucht hat sich bis 20 m tief  in die vorporphyrischen Ablagerungen eingeschnitten. Diese bestehen zum größten Teil aus Konglomeraten. Die durch ein toniges Bindemittel verkit-teten, wenige Kubikzentimeter bis drei Kubikmeter großen Gerölle setzen sich größtenteils aus verschiedenen Gneisen zusammen. Auffallend sind Quarzgerölle von etwa 0,5 m Durchmesser.
Im mittleren Teil der Vorderen Ulbrichtschlucht sind die Konglomerate an den vier bis acht Meter hohen Steilwänden sehr gut aufgeschlossen. Etwas oberhalb der Talsohle ist hier eine Wechsellagerung von Konglomerat und Sandstein zu beobachten.
Unmittelbar an der Talsohle sind im grauen Sandstein an einigen Stellen schwarzer Kohlesandstein und Schieferton eingelagert. Außer geringfügigen, verkohlten Pflanzenresten sind keine Fossilien und Steinkohlen zu finden.

In der Vorderen Ulbrichtschlucht erfolgte kein Abbau von Steinkohle.
Allerdings wurde 1840 vom linken Talhang aus ein rund 500 m langer Entwässerungsstollen in östliche Richtung auf die Steinkohlengruben von Schippan getrieben, der später von Kiebers Gruben mitgenutzt wurde. Die Lage dieses Stollens lässt sich nicht mehr feststellen, da kein Mundloch auffindbar ist und sich eine Halde nicht sicher identifizieren lässt.
Im nördlichen Teil des Tales hat der Bach den bläulichen Quarzporphyr, der die obere und untere Stufe teilenden Quarzporphyrdecke, frei gelegt.
Der im obersten Teil des westlichen Talhanges (Ulbrichts Felder) anstehende Lehm wurde im 19. Jahrhundert durch eine hier befindliche Ziegelei abgebaut.
Nördlich des engen Tales der Vorderen Ulbrichtschlucht (Langes und Ankes Felder) waren auf zahlreichen Halden des historischen Steinkohlenbergbaues Sandsteine und Schiefertone der oberen Stufe mit dünnen Kohlelagen und Fossilien, wie Teilabdrücken von Siegelbäumen, zu finden.
In zwei auflässigen Steinbrüchen (Ankes Steinbrüche) wurden ein feuerfester Sandstein für Schmelzöfen sowie ein zu der einst geschlossenen Tuffdecke gehörender, gelblicher Porphyr-tuff mit rostfarbenen Flecken abgebaut. Leider sind beide Brüche zwischen 1992 und 1995 durch die Mülldeponie "Vordere Ulbrichtschlucht" des Landkreises Flöha, ab 1994 Landkreis Freiberg, völlig überkippt worden.
Die Tatsache, dass in der Vorderen Ulbrichtschlucht mit ihren nördlichen Ausläufern fast die gesamten Ablagerungen des Flöhaer Oberkarbons von der unteren Stufe über die zwischen- gelagerte Quarzporphyrdecke sowie die obere Stufe bis zum überlagernden Porphyrtuff aufge-schlossen waren, machte dieses Tal für den geologisch Interessierten besonders wertvoll.
Dies war der Anlass für die, dem Kulturbund der DDR angehörenden Fachgruppe Geologie Flöha, im Jahre 1984 die Unterschutzstellung der Vorderen Ulbrichtschlucht zu beantragen.
Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt bereits geplanten Deponie musste das Flächennaturdenkmal  auf den südlichen, schluchtförmigen Teil begrenzt werden.

1985 wurde dieser 700 m lange, 4 ha große Abschnitt der Vorderen Ulbrichtschlucht durch einen Beschluss des Kreistages Flöha zum Flächennaturdenkmal (FND) erklärt. Dieser Bereich mit der unteren Stufe des Flöhaer Oberkarbons ist noch zugänglich.
Auf einer 2014 am FND stehenden Informationstafel war die Geologie als Hauptgrund der Un-terschutzstellung allerdings nicht erwähnt.
Die steilen Talhänge, der sich dahinschlängelnde Bachlauf und der naturnahe Auwald verleihen dem Tal auch für den geologisch nicht interessierten einen besonderen Reiz.
Das Flächennaturdenkmal ist zu Fuß von Süden über die Straße Am Auenblick erreichbar.

Quellennachweis:

  • Geologische Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Augustusburg – Flöha 1905, mit Erläuterungen von 1907
  • „Das Steinkohlebecken von Flöha in der Vergangenheit“, Paul Kleinstäuber 1922
  • Gesteinsbestimmungsbuch Jubelt/Schreiter 1975 und 1984
  • Antwort von Andreas Weise in der Freien Presse vom Januar 1986 auf eine Leseranfrage
  • „Zeugnisse der Erdgeschichte Sachsens“, Dr. Hans Prescher, Leipzig 1987
  • Veröffentlichung Museum für Naturkunde Chemnitz, 36 2013:     
  • „Neue Florenfunde in einem Vulkanit des Oberkarbons von Flöha“,
  • Autorenkollektiv mit F. Löcse u. R. Rößler
  • Eigene Beobachtungen ab 1953
  • Vordere Ulbrichtschlucht Flöha / Kroh 04/84 - geändert bzw. ergänzt 12/98, 11/06 u. 05/2015

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