Verkehrsinformationen

Vollsperrung Talstraße Update Talstraße

Auf Grund von Instandsetzung der Talstraße kommt es zu einer Vollsperrung zwischen Augustusburger Straße und Rudolf-Breitscheid-Straße. Im weiteren Baufortschritt macht sich ab 19.10.2021 - 07.11.2021 eine Vollsperrung der Talstraße im Bereich der Kita erforderlich. Die Einbahnstraßenregelung wird aufgehoben. Es ist auf Gegenverkehr zu achten. Mit Einschränkungen im Bereich vor der Kita muss gerechnet werden.

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Der Abbau von Quarzporphyr in der Flöhaer Region

Eine geowissenschaftliche Betrachtung von Helmut Kroh

Säulig ausgebildeter Rhyolith einer Spalteneruption an der 11 Meter hohen Ostwand im Bruch am Gabelweg. Foto: H. Kroh

Im Gebiet von Flöha erreichte der Abbau von Quarzporphyr den größten Umfang. In der Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen von 1879 sind 26 mit Stbr bezeichnete Quarz-porphyrbrüche eingezeichnet, davon 10 im nördlichen Teil des Beckens. Man verwendete ihn behauen oder unbehauen für Grund-, Stütz- und Ufermauern, Torsäulen und anderes sowie als Packlager, Schotter und Splitt zum Straßen- und Wegebau. Der an den verschiedenen Bauten sichtbare Quarzporphyr lässt sich oft keinem bestimmten Steinbruch zuordnen.
Seit etwa 1980 bezeichnet man alle Ergussgesteine der Quarz-Feldspat-Vulkanite, also die  geo-logisch jüngeren Liparite und die geologisch älteren Paläorhyolithe oder Quarzporphyre, dem in-ternationalen Sprachgebrauch angepasst als Rhyolith und die zugehörigen Tuffe als Rhyolithtuff.
In der jüngeren Literatur bezeichnet man den Flöhaer Quarzporphyr, der ein stark verschweißter Ignimbrit ist, als Paläorhyolith (Löcse 2013).

Kirchen-, Liebschner-  oder Roehlbruch
Der größte und bedeutendste Quarzporphyrbruch war der sogenannte Kirchenbruch ca. 100 m nördlich der Kreuzung Augustusburger - Chemnitzer - Dresdener Straße. Eigentümer des Steinbruchs war um 1900 der Fuhrunternehmer Liebschner, ihm folgte Max Roehl, von dem das Eigentum als Erbe auf Wulf Dietemann überging. Seit etwa 1996 ist das Steinbruchgelände Eigentum der Stadt Flöha.

Der Abbau in diesem Bruch begann wohl schon vor 1820. Im Weygandt-Eydamschen Tagebuch wird der Steinbruch am 20. August 1820 im Zusammenhang mit dem Vogelschießen erwähnt. Auf der Geologischen Spezialkarte von 1879 hat der Bruch bereits einen Durchmesser von etwa  40 m. Der Abbau erfolgte in westliche und nördliche Richtung.

Die Zufahrt zum Bruch erfolgte von der Chemnitzer Straße aus über einen etwa 100 m langen, steilen Fahrweg, der mehrmals Anlass zu Unfällen gab, indem z. B. ungebremste Anhänger die Zugmaschine vor sich herschoben, so dass diese umkippte. Problematisch war die An- und Ab-fahrt im Winter. Die Zufahrt zum Bruch führt durch ein gut aufgeschlossenes Konglomerat.
Der Bruch hat einen Durchmesser von etwa 100 m bei einer geschätzten Wandhöhe bis 30 m.
Den gelb - blauen Quarzporphyr verwendete man behauen oder unbehauen für verschiedenes Mauerwerk. Im Bruch befand sich ein Brecher mit Siebstrecke, in dem nicht für Mauerzwecke geeigneter Quarzporphyr zu Straßenschotter und Splitt verschiedener Körnung verarbeitet wurde. Quarzporphyr aus diesem Bruch ist unter anderem an den um 1955 erbauten Wohn-häusern in der Pufendorfstraße zu sehen.

1967 stellte man den Abbau im Kirchenbruch ein. Danach diente er zeitweise als Lagerplatz für Braunkohlebrikett. Nördlich, westlich und östlich war der Bruch bis 1996 von landwirtschaftlicher Nutzfläche umgeben. Ab 1996 begann nördlich, westlich und östlich des Bruches eine Wohnbebauung. Für diese Bebauung wurde 1997/1998 im Kirchenbruch ein Regenwasserrückhaltebecken mit zwei Einläufen angelegt. Von den einstigen Betriebsanlagen im Steinbruch sind 2008 nur noch der Sprengmittelbunker, der Ablaufberg und das Brecherfundament zu sehen.


Bahnteichbruch
Ein weiterer bedeutender Quarzporphyrbruch befand sich östlich des Flöhaer Bahnhofes auf dem  Gelände der ehemaligen Reichsbahn.
Eigentümer war die Sächsische Staatsbahn, Pächter waren unter anderen Liebschner und Roehl.
Alteingesessene erzählen viel Geheimnisvolles von diesem Steinbruch, z. B. dass er in einer  Nacht voll Wasser gelaufen sei und sich auf seinem Grunde noch viele Arbeitsgeräte und an-dere Dinge befänden, die infolge des schnellen Wassereinbruches nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten.
Im Jahre 1958 führte Rudolf Birr ein Gespräch mit dem Steinbruch- und Sprengmeister Martin Ledig. Dessen Vater und er hatten in diesem Bruch gearbeitet.
Herr Ledig berichtete folgendes: "Der Steinbruch war von 1883 bis 1917 in Betrieb. Der hier gebrochene Quarzporphyr wurde zum Teil im Bruch verarbeitet.
Besitzer war die Sächsische Staatsbahn. Er wurde gepachtet von: Schneider und Thomas, später von Schneider und Otto, dann von Otto und Liebschner und zuletzt von Max Roehl.
Zwei Eisenbahngleise führten in den Bruch, das eine zur Verladerampe, das andere zur Brecheranlage.
An Maschinen war eine Lokomobile vorhanden, die verschiedenen Zwecken diente.
Sie lieferte die Kraft für die Zugeinrichtung der Loren auf die Steinbrecheranlage und bediente zugleich den Aufzug für die Bausteine nach dem Verladegleis, ferner trieb sie zwei Pulsometer (Wasserhebemaschinen, Dampfdruckpumpen) an.
Das kleinere Pulsometer speiste den Kessel der Lokomobile mit Wasser, das größere pumpte das Wasser aus dem Bruch heraus.
Das Wasser wurde auf der Steinbruchsohle in einem etwa 5 m tiefen Loch gesammelt, von hier herausgepumpt und unter dem alten Bahnhof weg nach der Zschopau abgeleitet. Das große Pulsometer schaffte in der Minute 150 Liter. Es wurde in Betrieb gesetzt, wenn viel Wasser zulief, vor allem in Regenzeiten. Das Wasser drückte in der Hauptsache von der Zschopau her, schwächer von der Flöha. In trockenen Zeiten war wenig Wasser vorhanden und es brauchte nicht gepumpt zu werden.
In dem 24 m tiefen Steinbruch herrschte reges Leben. Es arbeiteten insgesamt 100 bis 125 Menschen, darunter etwa 80 bis 85 Italiener, außerdem noch Vertreter anderer Nationen  (Tschechen, Polen). Täglich wurden zwei Züge mit Steinen verladen. Vom Brecher führte ein Gleis zum hinteren Ende des Steinbruches hinaus. Das Verladen geschah im Akkord. Die lange Arbeitszeit war von kurzen Pausen zum Frühstück, Mittag und Vesper unterbrochen.
Der Abraum wurde am hinteren Ende des Steinbruches wieder in den Bruch gekippt.
Im Frühjahr 1917 legte man den Bruch still, da der Staat wegen Einsparung keine Kohle für die Lokomobile mehr bewilligte.    
Der Sprengmeister Ledig hat alle wichtigen Einrichtungen, Maschinen usw. mit ausgebaut und aus dem Bruch herausgebracht. Auch die Loren wurden herausgeschafft und die Gleise ausge-baut. Der Ausbau dauerte ungefähr zwei Jahre.
Da nicht mehr gepumpt werden konnte, stieg allmählich der Wasserspiegel im Bruch, so dass er mit der Zeit ersoff."
Der Teich soll nach der Stillegung des Steinbruches 1917 etwa 14 m tief gewesen sein.

In den Monaten von November 1957 bis Mai 1958 wurden Maßnahmen ergriffen, um zu er-gründen, ob der Steinbruchteich für die Trinkwasserversorgung der Stadt Flöha genutzt werden könnte. Bei den durchgeführten Pumpversuchen entdeckte man auf dem Grund des Teiches Waffen und Munition aus dem 2. Weltkrieg, die hier von durchziehenden Truppenteilen versenkt worden waren. Auf Anordnung interessierter Stellen wurde der Teich ausgepumpt.
Ein Spezialbergungstrupp beräumte den Teich von diesem gefährlichen Kriegsgerät in 15 Tagen harter Arbeit.

Es wurden unter anderem geborgen:

  • etwa 90 000 Stück Infanteriemunition,
  • über 1 000 Stück Granatpatronen verschiedenen Kalibers,
  • über 300 Stück Gewehrgranaten,
  • über 300 Stück Handgranaten,
  • über 1 000 Stück Zünder,
  • über 400 Stück Panzerfäuste,
  • über 50 Stück Tellerminen,
  • über 1 000 Stück Waffen,
  • 2 Stück Do - Werfergranaten,
  • 4 Stück 50 kg - Bomben

ein ganzer Teil Panzerfaustköpfe und vieles andere mehr.
Der Teich war nun bis auf einige Tümpel ausgepumpt. Das Gutachten der Geologischen Kommission fiel dahingehend aus, dass das Teichwasser hauptsächlich Oberflächenwasser ist, das vom ehemaligen Golfplatz zufließt. Die Schlussfolgerungen ergaben, dass der Teich nicht für die Trinkwasserversorgung der Stadt genutzt werden kann. Die Ergebnisse dieser Pumpaktion lüfteten das Geheimnis und beendeten die Märchen und Geschichten um den Bahnteichruch.


Lärchental-, Leistner- oder Einsidelbruch
Östlich des Friedhofs an der Lärchenstraße befand sich der Lärchental- oder Leistnerbruch. Um 1920 ist der Bruch in einer Karte als Einsidels Steinbruch bezeichnet.
Den gelb - blauen Quarzporphyr verwendete man behauen oder unbehauen für Mauerwerk.
Da der Bruch um 1966 – 1970 als Mülldeponie der Stadt Flöha genutzt wurde, ist nur noch ein Teil der Nordwand zu sehen.
Östlich von diesem Bruch, unmittelbar am Leistnergut, befand sich ein kleiner Steinbruch in dem noch um 1965 Quarzporphyr für den Eigenbedarf von Hand gebrochen und zu Mauersteinen behauen wurde.


Sonstiger Abbau von Quarzporphyr
Ein relativ großer Quarzporphyrsteinbruch befindet sich an einem Waldweg vom Plauberg zur Straße nach Augustusburg. Der Bruch hat einen Durchmesser von ca. 35 m bis. 45 m und eine Höhe der Südwand bis ca. 16 m. Der Quarzporphyr in diesem Bruch ist feinkristallin und hell. Der Abbauzeitraum ist mir nicht bekannt. Wie Vergleiche im November 2006 ergaben, könnte der Quarzporphyr aus diesem Bruch für Mauerteile des Kalkbrennofens an den Schwedenlöchern verwendet worden sein. Dafür spricht auch, dass dieser Bruch den Schwedenlöchern am nächsten lag und somit der Transport einfach war.
In diesem Gebiet gab es noch fünf weitere Quarzporphyrbrüche.

In der Struth baute man in 18 Brüchen Quarzporphyr ab.
Ein relativ großer Bruch von ca. 22 m Durchmesser und einer Wandhöhe bis 15 m befand sich am Westhang des Kahle Berges.
Das Restloch des flächenmäßig größten Quarzporphyrbruches in der Struth befindet sich in Richtung Niederwiesa und ist 2016 noch ca. 100 m lang, 50 m breit und bis 4 m tief.

Einige Quarzporphyrbrüche sind heute teilweise oder völlig verfüllt, so z. B. in Plaue an der Straße nach Augustusburg, am Golfplatz und an der B 180 in Richtung Frankenberg.

Bruch am Gabelweg (Rhyolith)
Der in einem Steinbruch rechts am Gabelweg (Radweg) von Grünberg nach Falkenau abgebaute Quarzporphyr ist ein teilweise säulig ausgebildeter Rhyolith aus einer Spalteneruption.
Er ist grobkristallin, rötlichbraun, wurde vorwiegend für Mauerwerk verwendet und ist vor allem als Grundmauern an einigen Häusern in Plaue zu sehen.
Der Abbau erfolgte etwa von 1920 bis 1948 in östliche Richtung bei einer Wandhöhe bis 11 m. 1948 baute man in Grünberg noch ein Haus mit Grundmauern aus diesem Bruch.


Quellennachweis:

  • Weygandt-Eydamsches Tagebuch 1768 bis 1859
  • Geologische Specialkarte des Königreichs Sachsen, Sektion Schellenberg - Flöha, deren geologische Aufnahme 1879 abgeschlossen wurde, dazu Erläuterungen von 1907.
  • Flöha – Deine Heimatstadt, 1. Sonderheft von „Deine Heimat“ 12/1958, Herausgeber Rat der Stadt Flöha (über den Bahnteich)
  • "Das mittlere Zschopaugebiet" aus "Werte unserer Heimat", Berlin 1977
  • Einige Daten wurden den zwischen 1991 und 1998 von GEOS durchgeführten Historischen bzw. Orientierenden Erkundungen entnommen. 
  • Veröffentlichung Museum für Naturkunde Chemnitz, 36 2013: Neue Florenfunde in einem Vulkanit des Oberkarbons von Flöha“, Autorenkollektiv mit F. Löcse u. R. Rößler
  • Die Daten über den Abbau von Gesteinen stammen aus Berichten von Nachkommen der ehemaligen Steinbruchbesitzer und aus eigenen Beobachtungen in den Steinbrüchen ab 1953 sowie von verbautem Material an Häusern, deren Baujahr bekannt ist.

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