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Eine Erinnerung an den Steinkohlenabbau im Flöhaer Becken

Eine geowissenschaftliche Betrachtung von Helmut Kroh aus Flöha

Kohleabbau in der Struth: Südlich vom Wiesener Flügel liegen mehrere bis 2.5 Meter Hohe Schachthalden. Foto H. Kroh

Manch Spaziergänger oder Pilzsucher wird sich schon über etliche größere, bewachsene Stein- und Erdhaufen im Flöhaer Pfarrwald oder in der Struth gewundert haben. Es sind Reste des nach 1800 betriebenen Steinkohlenbergbaues im Flöhaer Becken.
Anlässlich des Erscheinens der 2. Auflage der Erläuterungen zur „Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Augustusburg - Flöha“ vor 110 Jahren soll einmal an den einstigen Abbau von Steinkohle bei Flöha erinnert werden.

Für das Verständnis dieses Steinkohlenbergbaues ist es unerlässlich, die Schichtenfolge des Oberkarbons im Flöhaer Becken zu erläutern: Eine durch Vulkanausbrüche entstandene, zwischengelagerte, bis 50 m mächtige Decke aus Quarzporphyr (neuere Bezeichnung Paläorhyolith) teilt die karbonischen Ablagerungen im Flöhaer Becken in die bis 100 m mächtige vorporphyrische oder untere Stufe und in die 20 m bis 60 m mächtige nachporphyrische oder obere Stufe. Die Reste des größtenteils erodierten Quarzporphyrtuffs (neuere Bezeichnung Rhyolithtuff), der die karbonischen Schichten überlagert, erreichen eine Mächtigkeit von 2,5 m bis 50 m.

Das Kapitel „Der Kohlenbergbau im Flöhaer Becken“ in den Erläuterungen zur „Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Augustusburg - Flöha“ von 1907 beschreibt diesen Bergbau relativ zeitnah und wird deshalb ungekürzt wiedergegeben:
„Die mehrfach zu beobachtenden Ausstriche von Kohlenflözchen (in der Nähe der Finken-mühle, in der Vorderen Ulbrichschlucht, im Wetzelbachtal, am Wiesener Flügel) mögen schon frühzeitig die Aufmerksamkeit auf die Kohlenführung der Schichten des Flöhaer Beckens gelenkt haben. FREIESLEBEN berichtet im 11. Heft seines Magazins für Oryktographie von Sachsen, dass bereits im Jahre 1700 bei Altenhain in einem "Steinkohlenbruche Schwarzer Adler Erbstolln" und 1713 durch eine Grube "Segen des Herrn" sowie im Jahre 1741 durch die Grube "Licht Erbstolln“ bei Flöha "flachfallende Steinkohlengänge" abgebaut worden seien und dass seit 1802 auf dem Schippanschen Werk in Gückelsberg die Kohle von zwei Flözchen gewonnen wurde.
In dieselbe Zeit, d. h. in die ersten Dezennien des vorigen Jahrhunderts, dürfte auch die Entstehung der Steinkohlenwerke bei Gückelsberg und Flöha (nämlich die von Morgenstern, Zießler, Hesse, Kluge, Kieber, Anke und Petzsch) fallen. Die Flözchen waren jedoch zu schwach und die gewonnene Kohle von zu geringer Qualität, nämlich fast nur zum Kalk- und Ziegel-brennen brauchbar, als dass der Abbau trotz der geringen Teufe lohnend geworden wäre. Die Förderung ist deshalb auch nie bedeutend gewesen und hat z. B. bei den Hesseschen Schächten während des Zeitraumes von 1868 bis 1877 nur etwa 48 000 Hektoliter betragen. Die meisten dieser Werke sind daher schon zwischen 1860 und 1870, die letzten Schächte des Hesseschen Werkes aber im Jahre 1880 zum Erliegen gekommen.

Sämtliche genannten, bei Flöha und Gückelsberg gelegenen Schächte bauten die Flözchen der oberen Stufe ab. Die westlichsten derselben von Petzsch und Anke erreichten zumeist nur eine geringe Tiefe und auch nur ein paar schwache, etwa 0,2 m messende Flözchen; die östlicheren, auf der Höhe befindlichen Schächte (von Kluge, Kieber, Hesse und Schippan) mussten eine mehr oder weniger mächtige Tuffdecke durchsinken, bevor sie zur Steinkohlenformation gelangten. So wurden in einem 1862 in der Nähe der östlicheren Ziegelei niedergebrachten Schacht etwa 23 m Tuff und 12 m Sandstein und Schieferton durchteuft und darauf ein Anthrazitflözchen von 0,25 m erreicht, während die im Kirchenwald befindlichen Hesseschen Schächte 6 bis 25 m Tuff und dann noch bis zu 40 m Sandstein und Schieferton durchsanken und der Schippansche Stollnschacht bei Gückelsberg 34 m Tuff und 12 m Sandstein und Schie-ferton bis zu dem obersten Flözchen durchteufte, welches ca. 0,3 m mächtig war.
Darunter folgten 3,5 m Sandstein und Schieferton, sodann ein 0,15 bis 0,2 m starkes Flözchen, darauf wieder ein 6 m mächtiges, aus Sandstein und Schieferton bestehendes Zwischenmittel und endlich das tiefste Flözchen von 0,07 bis 0,1 m Mächtigkeit, das etwa 0,5 m über der liegenden Grenze der Stufe, also über der Porphyrplatte lag. Die in der Tiefe des Wetzelbach-tales angesetzten Morgensternschen und Zießlerschen Schächte, welche keinen Porphyrtuff zu durchdringen hatten, erlangten bis zur Kohle eine Tiefe von nur 11 bis 14 m.

Die Zahl der Kohlenflözchen beträgt in dem Bezirk von Flöha und Gückelsberg 2 bis 4; ihre Mächtigkeit schwankt meist zwischen 0,1 und 0,3 m, erreichte wohl stellenweise 0,5 m, sank aber auch oft bis auf ganz wenige Zentimeter herab. Dieselben lagen gewöhnlich so dicht über-einander, dass sie gemeinschaftlich abgebaut werden konnten. Die Zwischenmittel erlangten in der Regel höchstens 0,5 m Mächtigkeit, wuchsen lokal aber auch bis auf 6 m an. Die Flözchen sind im Allgemeinen ziemlich regelmäßig und fast horizontal gelagert oder nur schwach nach SO. oder SW. geneigt, jedoch stellen sich hier und da auch Biegungen und Verwerfungen ein. Einzelne Flözchen kamen auch wohl durch Verdrückungen zuweilen fast ganz zum Verschwinden.
Im Struthwald wurden in den Jahren 1816 bis 1827 mehrere Bohrversuche zwischen dem Grünitzhübel und dem Mühlflügel ausgeführt, mit welchen man in der geringen Tiefe von 2 bis 16 m mehrere (bis sechs) schwache, nämlich zwischen 0,07 und 0,4 m mächtige Flözchen aufschloss. Dieselben waren jedoch durch stärkere, 1,5 bis 3 m mächtige Zwischenmittel von- einander getrennt. Ein eigentlicher Abbau der Kohle fand deshalb hier gar nicht, sondern nur weiter westlich in der Nähe des Wiesener Flügels statt, woselbst nahe unter Tage zwei Flözchen (von Thieme) abgebaut wurden, von denen das obere 0,07 bis 0,15 m und das untere 0,16 bis 0,25 m Mächtigkeit besaß. Trotz dieser geringen Mächtigkeit sollen hier in den Jahren 1836 bis 1840 etwa 1700 Tonnen [Tonne als Hohlmaß] Steinkohle pro Jahr gefördert worden sein. Seit 1852 sind aber auch hier alle Schächte auflässig und verfallen.  

Während demnach früher aus der oberen Stufe des Flöhaer Karbons eine, wenn auch schwache, so doch zeitweise nicht ganz unrentable Kohlenförderung möglich war, so hat ein Abbau der Flözchen der unteren Stufe bisher nicht stattgefunden, obwohl Versuche zu einem solchen angestellt wurden. Nachdem durch einen in der Nähe des Kohlenausstriches am Dachsloch bei der Finkenmühle geteuften Schacht das Flöz bei 9 m Tiefe 0,7 m mächtig befunden worden war, wurde von der Altenhainer Steinkohlenbau-Gesellschaft ein Maschinenschacht unmittelbar bei der Finkenmühle angesetzt, um das Flöz in größerer Tiefe zu untersuchen. Man erreichte dasselbe bei 30 m und bei 34 m schon das silurische Grundgebirge. Das Flöz zeigte ein Streichen von SW. nach NO. und ein Einfallen von 10 Grad bis 15 Grad nach SO., wurde auf 105 m Entfernung nach NO. hin aufgefahren und dabei ziemlich regelmäßig gelagert und durchschnittlich 0,6 m mächtig befunden. Darauf wurde etwas weiter nach Osten hin in der Nähe des Forst-baches mittels eines Bohrloches das Flöz abermals und zwar bei 64 m Tiefe und mit 0,85 m Mächtigkeit und 6 m über der liegenden Grenze der Kohlenformation angetroffen. Endlich stieß man nahe am Ausgang der Hinteren Ulbrichschlucht noch ein anderes Bohrloch, mit wel-chem man nur zwei Kohlenschmitzen von 0,07 und 0,04 m Stärke bei 22 bez. 26 m Tiefe antraf und schließlich eine Tiefe von ca. 40 m erreichte, ohne das Kohlengebirge ganz durchbohrt zu haben. Im Jahre 1863 wurde dieser Versuch abgebrochen  und damit und seit dieser Zeit haben auch in dieser Stufe des Beckens alle Unternehmungen aufgehört. Weiter am Abhange hinauf, oberhalb der beschriebenen Schachtanlagen, findet man noch einige kleine Halden älterer Schürflöcher, durch welche nur schwache Schmitzen einer schlechten Kohle bloßgelegt worden sein sollen. Auch der in Altenhain, unmittelbar an der Straße nach Frankenberg abgeteufte Schacht soll bei einer Tiefe von 18 m nur schwache Kohlenschmitzen durchsunken haben. Ebenso wenig haben endlich die wohl schon im Anfange vorigen Jahrhunderts im Höllengrund des Oederaner Waldes sowie östlich vom Flöhaer Bahnhof unternommenen Versuche, die Steinkohle auch im östlichsten Gebiet der unteren Stufe aufzufinden, ein günstigeres Resul-tat ergeben.“  Eine wesentlich umfangreichere Beschreibung des Flöhaer Steinkohlenbergbaues hinterließ der 1986 verstorbene Dr. Paul Kleinstäuber.

Er schrieb 1922 eine der Gemeinde Flöha gewidmete Dissertation über den Flöhaer Steinkohlenbergbau mit dem Titel „Das Steinkohlebecken von Flöha in der Vergangenheit“.
Ab 1. April 1920 war er an der Verbandshandelsschule in Flöha wissenschaftlicher Handels-lehrer. Da er im Zentrum des alten Abbaugebietes tätig war und auch wohnte, folgte er einer Anregung seines Lehrers in Wirtschaftswissenschaften Geh.-Rat Prof. Dr. Stieda von der Universität Leipzig, alle in Literatur und archivarischen Quellen auffindbaren Tatsachen sowie Beiträge zur Geschichte des Steinkohlenbeckens von Flöha zu sammeln und zu ordnen.  
Mit dem akribischen Sammeln und Aufarbeiten von Archivdokumenten sowie der Möglichkeit noch mit Zeitzeugen des Steinkohlenabbaues zu sprechen, schuf Paul Kleinstäuber mit dieser Dissertation ein bemerkenswertes Denkmal des Steinkohlenabbaues im Flöhaer Becken, das leider viel zu wenigen bekannt war und ist.
Seit Januar 2017 steht die Dissertation unter www.unbekannter-bergbau.de mit Fotos von über 30 zwischen 1969 und 2011 gefundenen Gesteinen und Fossilien der karbonischen Schichtenfolge des Flöhaer Beckens im Internet. Die Zeugen des Steinkohlenbergbaues sind auf nur forstwirtschaftlich genutzten Flächen noch in Form von Halden und Pingen sichtbar.

In der „Geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Schellenberg - Flöha“, deren geologische Aufnahme 1879 abgeschlossen wurde, sind in der Struth nördlich des Grünitzhübels ein Schacht, nördlich des Wiesener Flügels acht Schächte und südlich des Wiesener Flü-gels neun Schächte eingezeichnet, die 2004 anhand von Halden noch lokalisierbar waren. Im Pfarrwald waren 2007 ohne große Mühe sieben Halden, teilweise mit Pingen als Reste der Schächte, zu finden.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass 1971 durch eine 300 m tiefe Kernbohrung an der Hausdorfer Straße nördlich der Luisenhütte die Ablagerungen des Oberkarbons erkundet werden konnten,  die Steinkohlenvorkommen des Flöhaer Beckens im „Ressourcenpotential Steinkohle“ der DDR erfasst waren und 2006 bei Kernbohrungen zur Baugrunduntersuchung wegen des Hangrutsches an der Dresdener Straße unterhalb des Friedhofes in 19,5 m Tiefe ein bis 10 cm starkes Steinkohleflözchen der unteren Stufe erbohrt wurde.

Quellennachweis:

  • Geologische Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Schellenberg - Flöhamit dem Stand von 1879  
  • Erläuterungen von 1907 zur geologischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Augustusburg - Flöha
  • Das Steinkohlebecken von Flöha in der Vergangenheit, Paul Kleinstäuber, 1922
  • Eigene Beobachtungen im Gelände ab 1969

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