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Abschlusskonzert der Sommermusiken in der Auferstehungskirche Flöha-Plaue

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Zum Luther-Jahr

Eine „friedliche Revolution“ zur Reformationszeit in Flöha - von Oberbürgermeister Volker Holuscha

Lutherdenkmal vor der Marktkirche in Hannover. Foto: pixabay, pfarrdiakon

Es sollte unbestritten sein: Ohne Martin Luther und seine an die Wittenbergische Schlosskirche geschlagenen 95 Thesen hätte sich die Kirche und die Aufklärung der abendländischen Welt anders entwickelt. Vielleicht wären Kriege, wie der Dreißigjährige Krieg nie derart entfacht worden, hätte der Freiheitsgedanke in Kirche und bei Bauern oder dem Bürgertum ganz andere Wege genommen. Doch seine Lehren von einer Kirche, welche wieder „vom Kopf auf den Fuß“ gestellt werden müsse, sein Mut gegen die päpstlichen Autoritäten aufzutreten und seine Verdienste gegenüber der Vereinheitlichung des deutschen Sprachgewirrs, sind einer der Ursprünge unserer heutigen aufgeklärten und humanistischen Zivilgesellschaft.

Die Auswirkungen der Reformation sind weitreichend. Aus den örtlichen Aufzeichnungen ist jedoch auch festzustellen, dass diese für Flöha wohl eher leise und ruhig erfolgt sein sollten. Von einer Bilderstürmerei etwa ist überhaupt keine Rede. Die Umwandlung erfolgte eher wie eine „friedliche Revolution“. In Flöha vollzog sich die Reformation recht unspektakulär. Die in der heutigen Georgenkirche ansässigen katholischen Gläubigen waren zur damaligen Zeit der Probstei Meißen und damit letztlich dem Bistum Meißen unterstellt. Nach dem Tod des Wettinerherzogs Georg des Bärtigen übernahm 1539 sein Bruder Heinrich der Fromme die Herrschaft im Herzogtum Sachsen. Dieser reformierte die sächsischen Kirchen noch im selben Jahr. Die Gläubigen und auch kirchlichen Würdenträger unterwarfen sich der herrschaftlich angewiesenen Reformation. Von da an wurde unsere Georgenkirche evangelisch und unterstand der Superintendentur Chemnitz II. Zahlreiche sakrale Gegenstände wurden in der „neuen“ Kirche erst nach vielen Jahren entfernt. Auch der seit 1499 amtierende Pfarrer Georg Quas aus Grünberg führte als papistischer Pfarrer die Amtsgeschäfte noch ein Jahr weiter. Am deutlichsten erkennt man das eher friedliche Hineinwachsen in dem heute noch erhaltenen dreigeteilten Flügelaltar. Es ist ein katholischer Marienaltar, der als ein Hochaltar gestaltet wurde. Er stammt aus den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts, also so um 1490. Es ist eine künstlerisch wertvolle Arbeit eines unbekannten Künstlers. Glücklicherweise fiel der dreiflügelige Altar zu dieser Zeit und auch später nicht einer Zerstörung anheim. Anlässe dazu gab es genug.

Eine weitere Entwicklung aus der Reformation Luthers war für unser damaliges Dorf der Beginn der Bildungsrevolution, wenn auch ganz leise. Sechs Jahre nach der Reformation, im Jahr 1545 ist das erste Mal von einem Lehrer namens hans mets die Rede. Ob er der erste Lehrer im Kirchdorf war sei dahingestellt. Doch der Anfang war gemacht. Natürlich beruhte alles auf Freiwilligkeit. Welcher Bauer schickte schon seine Söhne in eine Schule wenn die Kinderarbeit auf dem Hof gang und gebe war. Von den Mädchen einmal ganz zu schweigen.

Auch heute stehen die Kirchen in einer hohen gesellschaftlichen Verantwortung. Bemerkens- und unterstreichenswert die Worte des Präsidenten der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx zur Versöhnung von katholischer und evangelischer Kirche: „Versöhnung braucht Verständnis und Verlässlichkeit. So bauen wir gemeinsam – auch als Kirchen – an einer friedlichen Welt mit“. Die Gesellschaft braucht das Engagement der ganzheitlichen Kirche (Ökumene). So bringen sich die Kirchen heute vielfältig haupt- und ehrenamtlich in die Gesellschaft ein. Ob über ihre freien Wohlfahrtsverbände  Diakonie oder Caritas oder durch unzählige freiwillige Helfer und Unterstützer in ihren Gemeinden, für eine gerechtere und soziale Gesellschaft. Sie sind ein starker und verlässlicher Partner für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Weltoffenheit und Toleranz.

Auch der lutherische Grundsatz, wonach sich die Kirche stets Reformprozessen stellen muss, ohne die Grundsätze des Glaubens zu verlassen, hat gesamtgesellschaftliche Relevanz. In einer sich rasant entwickelnden Welt sind Umdenkungsprozesse unabdingbar. Die Globalisierung brachte nie dagewesene Chancen des menschlichen Fortschritts, welche aber auch neue Risiken und Gefahren in sich bergen. Daher müssen sich auch Politik und Gesellschaft den weltweiten Transformationsprozessen stellen. Ein nationales und internationales „Weiter so“ wird zur Bewältigung heutiger und künftiger Herausforderungen nicht reichen.

Hier können wir von Luthers Kreativität, seinem Mut und auch von seinen Fehltritten lernen. Denn neue Ideen und Wege bergen immer die Gefahr von Fehlern und Irrwegen in sich und müssen stets im historischen Zusammenhang bewertet werden. Aber er hatte eben diese Courage und Standfestigkeit. Aus der Überzeugung seines Glaubens heraus. Martin Luther ist weit mehr als eine traditionell zu vergötternde Figur der Kirchengeschichte. Auf diesem Sockel, glaube ich, sah er sich nie. Er erkannte die Missstände und Fehlentwicklungen seiner Zeit. Und er handelte.

Volker Holuscha
Oberbürgermeister

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