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Kirchenbrücke in Flöha ab 04.11.2019, 08:00 Uhr vollgesperrt Augustusburger Straße Kirchenbrücke

Auf Grund des Neubaus der Kirchenbrücke wird die Augustusburger Straße in Flöha zwischen Turnerstraße und Talstraße vollgesperrt. Die Umleitung erfolgt über die B 173 Chemnitzer Straße und B 173 n (Ortsumfahrung Flöha).

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Kultkneipe Rosenheim wird 90

Die Gaststätte "Rosenheim". Foto: Knut Berger

Eine gute Adresse nicht nur für Laubenpieper

Die Gaststätte „Rosenheim“ des Kleingartenvereins „Am Flöhastrand“ lädt am Wochenende und einigen Wochentagen die Kleingärtner sowie weitere Gäste zum Verweilen ein. Nach dem verheerenden Hochwasser 2002 wurde diese Vereinsgaststätte wieder hergerichtet und entwickelte sich seither unter der Familie Hartwig, als damalige Betreiber, sowie dem nachfolgenden Pächter Herrn Joachim Schmidt zu einem kleinen Kulturtempel unserer Stadt. Sind es das jährliche Fest des Kleingartenvereins, das Hexenfeuer, das Schlachtfest mit dem Blasorchester Flöha oder häufige Wochenendkonzerte von musikalischen Interpreten. Eigentlich ist für fast jeden Einwohner etwas dabei. Auch für Familienfeste, Klassentreffen oder andere private Feierlichkeiten ist das Vereinsheim ein guter Gastgeber. Doch wer weiß eigentlich noch, dass diese Gaststätte am 25. Dezember dieses Jahres ihr 90-jähriges Jubiläum feiert.

Seine Entstehung ist unmittelbar mit der Entwicklung des Kleingartenvereins „Am Flöhastrand“ verbunden. Das Kleingartenwesen entstand in Deutschland um 1870. Ein Leipziger Arzt namens Dr. Moritz Schreber warb in der Zeit zunehmender Industrialisierung für „eine Ertüchtigung der Stadtjugend durch Arbeit im Grünen, etwa in Armen- und Specialgärten“, da das damalige Wohnumfeld und die Großbetriebe wenig entsprechende Möglichkeiten boten. Grund der Entstehung des Kleingartenwesens am Flöha-Ufer war jedoch die Not nach dem Ersten Weltkrieg. In den Kriegsjahren 1914 – 1918 entstand bei einigen Flöhaern der Gedanke zur Schaffung von Kleingärten. 1918 wandten sie sich an den damaligen Gemeindevorstand Möbius um die Gemeinde zum Erwerb der Fläche zu bewegen. Der Gemeinderat konnte davon überzeugt werden und erwarb im September 1918 das Grundstück in der Nähe der damaligen Glasfabrik. Waren es ursprünglich sechs Gärten, meldeten sich nach dem Ankauf durch die Gemeinde und die äußerst schlechte Versorgungslage an Lebensmitteln viele Interessenten. Schon 1919 entstanden bereits 96 Gärten mit einer Gesamtfläche von rund 21.000 m2. Auf Grund der raschen Entwicklung gründete sich der Kleingartenverein 1927 und der Gemeinderat verpachtete 1928 und 1939 weitere Flächen. So entstand letztlich die noch heute bestehende Kleingartenanlage „Am Flöhastrand“ mit einer Gesamtfläche von rund 68.000 qm.

Bereits kurz nach der Entstehung der ersten Gärten bemerkten die Schrebergärtner, dass man Essen und Trinken stets mühsam in seinen Garten transportieren musste. Auch an eine Kühlung dessen war nicht zu denken. So bot ein Gartenfreund namens Ebert in seiner Laube die erste Gelegenheit zur Einlagerung der Getränke (zumeist Bier) und zum Verweilen an. Nur wurde seine Gastfreundschaft derart strapaziert, dass einige Zeit darauf der Gartenfreund Baldauf mit der Getränkebeschaffung und dem Ausschank in einer baubudenähnlichen Laube mit dem Namen „Gagenschänke“ beauftragt wurde. Auch eine Versorgung mit Fleisch und Wurst entwickelte sich fast wie von selbst. Was natürlich umliegende Fleischer keineswegs erfreute.

Nach heißen Vereinsdebatten und verschiedensten Versuchen erwarb der Verein am 16. September 1929 ein Heim der Firma Spindler aus Chemnitz. Rasch trafen die ersten Bauteile ein, sodass am 25. Dezember 1929 die Einweihungsfeier mit der Namensgebung „Rosenheim“ stattfinden konnte. Für eine Bausumme von 11.379,47 Mark war dieses Heim nicht unterkellert und besaß auch noch kein fließendes Wasser. Das „Rosenheim“ erfreute sich danach eines regen Zuspruchs unter den Kleingärtnern und Bürgern von Flöha, was wiederum Betreiber anderer Gaststätten ärgerte. Ein Verwalter des Heimes wurde bestellt und wechselte monatlich unter den Gärtnern auf Anweisung des Vorstandes. Fast jeden Monat wurden Schlachtfeste ausgerichtet, eine Sängerabteilung der Kleingärtner bildete sich und verschiedene Versammlungen wurden mit Liederbeiträgen umrahmt. Kurz nach der Machtübernahme Hitlers fand dies jedoch ein jähes Ende. Am 16. März 1933 erhielt der Verein von der Amtsmannschaft Flöha das Verbot, politische Versammlungen „welche die Ruhe und Ordnung der nationalen Bewegung erheblich stören würde“ abzuhalten und das „Rosenheim“ sei bis auf weiteres zu schließen. Nach längeren Verhandlungen mit der Amtshauptmannschaft durfte es letztlich wieder geöffnet werden, ohne jedoch das Versammlungsverbot aufzuheben.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben der Kleingärtner gänzlich zum Erliegen. Erst nach Kriegsende 1945 zog wieder Leben in die Gartenanlage und in das „Rosenheim“ ein. Es kam zunächst in den Besitz der Stadt und später unter Verwaltung des HO-Gaststättenbetriebes. Eine Sängerabteilung wieder zu gründen gelang zwar nicht, aber ein Gartenfreund namens Walter Klemm rief in den fünfziger Jahren eine Musikgruppe ins Leben. In den Folgejahren brachten die Vereinsmitglieder unzählige selbstlose Arbeitsstunden im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks auf, um ihr „Rosenheim“ stets moderner und gastfreundlicher umzugestalten. Unter verschiedensten Betreibern, Gastwirten und Pächtern errang das „Rosenheim“ mit der Zeit den Rang und die Beliebtheit einer gemütlichen Vereinsgaststätte, welche stets gut besucht war. Nach der politischen Wende 1989 bekam auch das „Rosenheim“ die allgegenwärtigen Sorgen und Ängste der Gäste zu spüren. Kundschaft blieb zunehmend aus und der volkseigene HO-Betrieb wurde aufgelöst. So war es wieder an dem Verein, sich um die Bewirtschaftung der Gaststätte Gedanken zu machen. Auch kurzfristige Schließungen standen auf dem Plan. Letztendlich hat sie sich dank des Engagements des Vereins und den unermüdlichen Betreibern seit Mitte der 90er Jahre wieder zu einer gern besuchten, über unsere Stadtgrenzen hinaus beliebten Gaststätte, mit einem zumeist deftigen Speiseangebot und einem stets gut gelaunten, bodenständigen Gastwirt entwickelt.

(Quelle: die historischen Angaben sind einem Artikel des Spartenleiters Kurt Sohr entnommen, welcher für das Heimatheft „Flöha – Deine Heimatstadt“ im Juni 1959 einen Artikel zum 40–jährigen Bestehen der Gartenanlage verfasst hatte)


Rosenheim


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